Vergangene Bergerlebnisse


Alpenüberquerung Garmisch-Meran – In den Bergen, wo die Freiheit greifbar erscheint

Berge, so weit das Auge reicht. Ganz plötzlich tauchen sie auf dem Weg nach Garmisch auf und irgendwie sollen sie gefühlt auch nie wieder enden. Unsere Alpenüberquerung war ein Erlebnis der besonderen Art – ein Erlebnis, das wir alle nicht vergessen werden, das in unseren Köpfen und in unseren Herzen bewahrt wird. Die Motivation, diese Tour zu machen, war bei allen Teilnehmern so unterschiedlich, wie sie nur sein kann: den Hochzeitstag unvergessen machen, ein gemeinsames Erlebnis von Vater und Tochter bzw. Mutter und Tochter schaffen, die enge Verbundenheit zwischen Jagdfreundinnen pflegen und eigene Grenzen austesten, Natur erfahren, Erinnerungen an die Alpen auffrischen, die man in jungen Jahren oder auch erst kürzlich gesammelt hat. All das machte die Gruppe so vielfältig, sympathisch und bereichernd für alle.

Es trafen am ersten Tag an der Zugspitzbahn in Garmisch Menschen aufeinander, die einander nicht kannten, die aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands zusammenkamen und die unterschiedlicher nicht sein konnten. Am Ende gingen sie als eine geschlossene Einheit auseinander, angereichert mit Erlebnissen und Gefühlen, die man nur verstehen kann, wenn man dabei war. Unser Bergführer schaffte es, uns gleichzeitig durch eine atemberaubende Bergwelt zu führen, sich menschlich auf uns einzustellen, uns über Naturphänomene aufzuklären, unseren Respekt gegenüber den Bergen in all ihren Facetten zu entwickeln und uns der Natur und dem Leben ein Stück näher zu bringen.

Ein bequemer Spaziergang war das alles nicht, aber wie soll man solch etwas Wunderbares auch erleben dürfen, ohne sich dafür anzustrengen. So nahmen wir Tag für Tag die Anstiege als Gruppe immer mehr im Einklang. Ein gleichmäßiger Rhythmus, mal vom Bergführer vorgegeben, mal selbst gefunden, ermöglichte den Blick über insgesamt vier Bergkämme, die einer nach dem anderen atemberaubender nicht hätten sein können. In ganz besonderer Erinnerung bleibt dabei das Erreichen des „Hölltörl“ (2126m) am zweiten Tag, bei dem der Aufstieg wie an allen Tagen nicht schöner hätte sein können, aber das Ankommen am Kamm uns alle den Atem anhalten ließ. „Wie kann man solch einen Anblick dort oben in Worte fassen, wenn man dies das erste Mal sieht?“ Ein wunderbarer Moment. Man muss es selbst erleben.

Nicht weniger anstrengend waren die Abstiege, die mal mehr mal weniger steil genommen werden mussten, um ins Hotel im Tal zu gelangen. 1120 Höhenmeter am zweiten Tag und 1110 m bergab am vierten Tag bis nach Trins waren zu nehmen - Muskelkater und sogar blaue Zehen waren vorprogrammiert. Wir alle sind dadurch um einige Erfahrungen reicher geworden. So sollten Schuhe vor einer Wanderung im alpinen Gelände genauer in Bezug auf die Größe und den Platz vorne geprüft werden, Blasenpflaster sollten in mehreren Größen in ausreichender Zahl vorhanden sein und vielleicht muss auch die eine oder andere Schmerztablette für den anfänglichen Kopfschmerz durch die wechselnden Höhenmeter im Rucksack ihren Platz finden.

Wir blicken glücklich und zufrieden auf eine Woche voller wunderbarer Eindrücke, Erfahrungen und Gespräche zurück und werden ganz sicher wiederkommen – nicht zuletzt auch für das schmackhafte Essen und die freundliche Bewirtung auf den Hütten, die allein schon eine erneute Reise wert ist.

Anne 2024

Endlich wieder Vaya con Dios – Traverse Oberstdorf – Scharnitz

Paarwandern after Corona, das kann ja spannend werden. Beim Vortreffen trafen sich Karin und Dieter, Outi und Heike (zwei Sportfreundinnen), Helmut, ich und natürlich Dieter. Barbara und Christoph aus Bonn haben sich kurz online vorgestellt und sollten dann erst am Starttag im Zug zu uns stoßen.

Dieters Ansage zur Tour: „Diesmal wird alles ganz entspannt!“ Auf unsere ungläubigen Blicke kam der Nachsatz: „Iss so!“ Das sollte neben diversen Berglügen zum Running Gag der Tour werden. Start am Sonntag um 5:28 Uhr Bahnhof Penzberg, von wo uns die Bahn ökologisch und pünktlich nach Oberstdorf brachte wo wir Barbara und Christoph live begrüßen konnten. Die Allgäuer Berge mit Höfats und Mädelegabel standen strahlend vor dem wolkenlosen Sommerhimmel, wunderschön. Der Anstieg zum Prinz Luitpold Haus wurde trotz Bergbahn Unterstützung eine ziemliche Hitzeschlacht, die einige zweifeln ließ, ob sie heuer mitkommen (iss so!). Einige Getränke später sah die Welt aber schon wieder anders aus.

Am nächsten Morgen ging es erholt weiter Richtung Landsberger Hütte. Auf den schönen Bergwiesen nach der Hütte bekamen wir wie schon am Vortag unsere Impulse und machten uns im Gehen unsere Gedanken. Wenn die Füße gehen, ist es ein leichtes manches zu überdenken oder neu zu sortieren und mit dem Partner/in ins Gespräch zu kommen. Das ist das Geheimnis von Vaya con dios (iss so!).

So ging es Tag um Tag weiter. Weißenbach mit einer super Pension, Wolfratshausener Hütte in den Lechtalern, Coburger Hütte in den Miemingern, die Wettersteinhütte mit ihrer herzlichen Wirtin und der Abstieg nach Scharnitz. Wir haben viele Jöcher und Scharten überquert, unzählige Male den inneren Schweinehund besiegt, in herrlichen Bergseen gebadet, viele Blumen gesehen, den Hunger und den Durst gestillt, wir haben Geschichten erzählt und gelacht, das Panorama erklärt (und das da hinten ist der Großvenediger…), eine herrliche Zeit zusammen verbracht und als Gruppe belastende bzw. traurige Nachrichten einiger mitgetragen. Auch das ist etwas was sich stärkend auf alle auswirkt. Wenn wir auch nicht immer vollzählig waren, im Herzen waren wir alle gemeinsam unterwegs und das zählt.

Ja und natürlich ist der Dieter mit seiner unerschütterlichen Zuversicht und seinem Humor für die mentale und körperliche Leistungsfähigkeit aller unersetzlich, iss so!

Nächstes Jahr geht es weiter, von Scharnitz nach St. Johann in Tirol, da sehen wir dann tatsächlich den Großvenediger.
Vaya con dios – Gehen mit Gott – Schön, dass wir wieder unterwegs sein durften!

Conny 2022

Vaya  con Dios – Wir haben es geschafft!

Beim Vortreffen kamen mein Mann Helmut und ich uns schon fast wie alte Hasen vor, waren wir doch schon zum dritten Mal dabei.  Ansonsten wie im letzten Jahr Angela und Florian, Karin und Dieter, neu dabei Martina und Werner aus Eurasburg und natürlich Dieter der Guide mit Herausforderungen im Gepäck, die uns sofort wieder demütig werden ließen. Er meinte: „Heuer ist jeder Tag weit und die Wege sehr anspruchsvoll, aber ihr schafft das schon!“ Wer Dieter kennt, weiß: Es geht zur Sache!

Ganz ökologisch sind wir mit Bahn und Bus angereist und zur Zufallhütte im Cevedalegebiet aufgestiegen. Am nächsten Morgen ein kurzer Aufstieg in herrlicher Landschaft zur Furkelescharte, schneerutschend auf der anderen Seite hinunter und ein paar Stunden talauswärts nach Pejo Fonte. Nach einer Nacht dort ging es ins Adamellogebiet zum Rifugio Garibaldi, dann folgten die Hütten Rifugio Gnutti, Rifugio Baita Adame und am vorletzten Tag das Rifugio Maria e Franco. Keine der Hütten war auch nur annähernd voll besetzt, aber dafür hatten alle das „nahrhafte“ italienische Zwiebackfrühstück.

Wir „altgedienten“ Ehepaare bekamen auf dem Weg immer wieder Impulse, unser gemeinsames Leben aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, denn in einer Beziehung ist es oft wie beim Bergsteigen. Der Weg ist nie zu Ende und hat immer mal Überraschungen auf Lager.

Tja und der Weg war heuer wirklich oft überraschend und wer ein Faible für große Steine hat, kam voll auf seine Kosten. „Steinehoppeling“ war das Wort der Stunde. Ein Gutteil der Strecke ging über griffiges Blockwerk, das ab und zu von Schneefeldern unterbrochen wurde. Diese waren oft tückisch und mancher versenkte sich darin hüfttief. Dazwischen haben wir jede Menge Steinböcke und Gämsen gesehen und es gab Blumenwiesen mit einer solchen Vielfalt, dass es eine wahre Freude war.

Bei so vielen Eindrücken und jede Menge Höhenmetern war es kein Wunder, dass wir die Hüttenruhe um 22:00 Uhr nie erlebt haben. Pünktlich nach dem Abendessen und dem obligatorischen Rotwein fragten wir uns immer, wann es denn endlich dunkel wird, damit wir getrost ins Bett können.

Die Tage vergingen wie im Flug und der letzte Wandertag kam, der mit einer Busfahrt nach Brescia und einem opulenten italienischen Mahl auf der Piazza die Alpenüberquerung beendete. Gemeinsame Anstrengung und Erlebnisse in der Natur bringen wundersamer Weise die unterschiedlichen Menschen in Gleichklang und das macht Vaya con Dios zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Tja und da dem Dieter die Ideen nie ausgehen geht Vaya con Dios nächstes Jahr weiter und auf einer neuen Route können Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Partner und den Mitwanderern geteilt werden.

Conny 2019

Vaya con Dios – Gehen mit Gott

Gespannt und mit gemischten Gefühlen gingen wir dem Start entgegen. Sind die zum Teil für uns sehr langen Etappen zu schaffen? 2000 Hm im Auf¬stieg hatte noch keiner von uns gemacht. Ja und was erwartet Dieter sonst noch von uns Paaren? Ich kenne mich doch mit Gott gar nicht so gut aus! 

Egal mit neuen Leuten durch die Alpen, da kann eigentlich nicht viel schief gehen. Am Berg sind doch meistens nur nette Menschen unterwegs und man hat ja immer noch seine bessere Hälfte an der Seite. Wir, das waren: Unser Guide Dieter, Simone & Dominik aus Berlin, mein Mann Helmut und ich.

Am Sonntag, auf dem Weg zur Rheintalanger Hütte bekamen wir die ersten Impulse, um auf uns als Paar zu blicken. Zum Thema Kennenlernen waren da einige Fragen auf einer bunten Karte. Angeregt, zuerst allein darüber nachzudenken, gingen wir einzeln und danach mit dem Partner auf leichten Wegen plaudernd bergauf. Beim Gehen können die Gedanken ebenso gut wandern und wir schauten so die verschiedensten Aspekte unserer gemeinsamen Zeit an. Das alles ohne Anspruch auf ein Ergebnis! Gegen Ende des Tages gab es dann noch eine Karte mit einem Bibeltext und einer kleinen Geschichte. Das war entspannend und anregend zugleich. Schon am ersten Abend war klar: Schön, dass wir dabei sind!

So ging es Tag um Tag. Immer mit einem Thema, das zur Tagesroute passte.
Montags kamen wir nach einem ersten längeren Weg zur Coburger Hütte. Dienstag ein langer Abstieg nach Obermieming im Inntal. Der Mittwoch brachte uns die Etappe, der wir alle respektvoll entgegensahen. Unter dem Thema „Durststrecken“ querten wir das Inntal und gingen von dort über den Pirchkogel (2830 m) ins Kühtai. Eine sehr lange Tour – 2200 Hm im Aufstieg und ca. 1150 Hm im Abstieg – an deren Ende wir glücklich waren, es geschafft zu haben. Knie, Füße, alles tat weh, und wir waren frohgemut und todmüde zugleich. Ein großes Ziel war geschafft und uns war klar, mit dem nötigen Gottvertrauen und dem richtigen Motivator auf Erden kommen wir fast überall hin.

Die weiteren Tage zur Schweinfurter Hütte und Winnebachseehütte ver¬gingen wie im Flug. Wir durchquerten grandiose Gebirgslandschaften. Es gab eine Vielzahl an Blumen bis in die Gipfelregionen. Kühe, Schafe, Gämsen und Murmeltiere kreuzten unseren Weg. Ja und jeden Tag ging es sich leichter. Nicht zuletzt durch die lange Ruhepause, die die Hütten¬ruhe um 22 Uhr mit sich bringt. Trotz Anstrengung erholt man sich sehr.

Am Samstag, beim Abstieg von der Winnebachseehütte nach Gries im Sulztal, war uns zwei Paaren klar: Wenn Dieter die Tour nächstes Jahr fortsetzt, sind wir wieder dabei auf Gottes schönsten Wegen.

Conny 2017